Die Identität im Web

Seit längerem mache ich mir Gedanken über die Identität im Web. Bei Leuten wie mir, die 70% ihres Lebens im Internet verbringen ist dies eine gar nicht so unwichtige Überlegung. Durch die mobile Revolution des Internets wird es nicht lange dauern, bis auch die normalen Nutzer über ihre Identität im Netz nachdenken werden. Was ist die Identität? Facebook? Google+?

Nein. Am ehesten ist es die E-Mail-Adresse. Ich bin der Ansicht, dass die Identität mir gehören sollte. Mir gehört mein Facebook oder Google+ Account nur so lange, bis er nicht z.B. aufgrund eines Irrtums oder Fehlers gesperrt wird oder der Service gar nicht mehr existiert. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit und rasanten Entwicklung des Webs ist es überhaupt nicht sicher, dass es Facebook oder Google+ in fünf Jahren noch gibt. Das selbe gilt für die E-Mail-Adresse, wenn sie einem nicht gehört. Google Mail mag für die nächsten Jahre recht sicher sein, bei Yahoo! hingegen wäre ich mir da nicht so sicher.

Was ist also sicher? Die eigene Domain. Sie gehört dir und kann dir quasi nicht weggenommen werden. Die ersten werden nun sagen, dass dies Kosten verursacht. Das ist richtig, für eine .de-Domain zwischen 3 und 6 Euro im Jahr. Peanuts also.

Nun möchte ich an meinem Beispiel erklären, weshalb ich Google Apps zum Mailen verwende. Ich hätte auch meinen eigenen Server nutzen können, jedoch hat dies einige Nachteile:

  • kein Spamfilter erreicht die Trefferquote von Gmail
  • Downtime wahrscheinlicher als bei Servern von Google

Die Vorteile, die mir Google Apps bietet, sind überragend:

  • Gmail (mit allen Features) ohne Werbung auf eigener Domain
  • 25GB Mailspace
  • Exchange-Push (Google Sync) für mobile Geräte (z.B. iPhone, iPad), Android-Devices können dies sogar integriert
  • alle weiteren Google “Apps”, wie z.B. Google Drive, Kalender, Kontakte, etc.

OK, die 25GB Mailspace erhält man nur, wenn man zahlender Kunde ist. Für 4 Euro im Monat. Die entscheidende Frage, die sich manche jetzt stellen werden, ist aber: was passiert, wenn Google den Service nicht mehr anbietet, weil sie pleite gegangen sind?

Easy: da mir die Domain gehört, muss ich lediglich die MX-Einträge wieder ändern und entweder zu einem anderen Anbieter (z.B. Fastmail) wechseln, oder temporär selbst Mailhoster spielen. Das Wichtigste ist allerdings, dass mir die Identität, nämlich meine eigene E-Mail-Adresse, nicht verloren geht.